Nach dem Ende der Welt – Apokalypse im Buch: „Die Erde über uns“ (1/2)

Verfasst von

in

von Brian M. Stableford (1948 – 2024)

Wilhelm Goldmann Verlag München; 1978

„The Face of Heaven“; 1976

Teil 1/2: Vermutungen zum Hintergrund

1964 veröffentlichte Prof. John Heaver Fremlin (1913 – 1995) im New Scientist, No. 415, 285-287, ein Paper mit dem folgenden Titel:

„How many People can the World support?“

Zu der Zeit war Brian 16 Jahre alt. Ein Jahr später veröffentlichte er seine erste SciFi-Geschichte, 1969 machte er seinen Bachelor in Biologie, um dann 1979 zur „Soziologie in der Science-Fiction“ zu promovieren (Wikipedia). Für mich ist Stableford ein Musterbeispiel des SciFi-schreibenden Wissenschaftlers. Sein Steckenpferd waren verrückte ökologische und soziale Systeme. Wundert mich bei der Ausbildung nicht.

Fremlin war Physiker. Er trieb in seinem Paper die in den 1960-er und später den 1970-er Jahren vorhergesagte und befürchtete Bevölkerungsexplosion auf die physikalische und satirische Spitze (siehe auch: „Die Grenzen des Wachstums“; Club of Rome, 1972).

Fremlin rechnete die damals verfügbaren Werte brutal hoch. Sein Paper endete mit einer Welt, in der auf jedem Quadratmeter der Weltoberfläche 120 Menschen in einem 2000-stöckigen Gebäude leben, welches die entstehende Wärme mit einer Außentemperatur von 2000 K in den Weltraum abstrahlt. Die Ozeane sind lange verkocht. Die Abwärme der Menschheit war für Fremlin die eigentliche Begrenzung. Alles andere (Ressourcen etc.) wischte er beiseite. Er entwarf eine verstörende, dystopische Welt mit einer Weltbevölkerung von 60.000 Millionen Millionen (1016 bis 1018) Menschen im Jahre 2854. Keein SciFi-Roman, sondern eine Veröffentlichung in einer renommierten Fachzeitschrift acht Jahre vor dem "Club of Rome"-Bericht.

Nebenbei behauptete Fremlin, dass das Fernsehprogramm 2854 sehr gut sein muss. 🙂

Sein Artikel war aus heutiger (und damaliger?) Sicht eine wissenschaftliche Satire über die Segnungen des Fortschritts und Weltuntergangsszenarien, am Ende wird er ein Aufruf, der zum Innehalten und Nachdenken auffordert.

Ich glaube (ohne irgendeine Quelle oder einen Beleg dafür zu haben), dass Stableford Fremlins Artikel kannte und dieser Artikel der Stützpfeiler für das weltumspannende Gebäude in der von Stableford entworfenen Zukunft ist.

Für mich ein schönes Beispiel für die Verarbeitung von Wissenschaft in der Science-Fiction Literatur.

Das ist eine laaaaange Vorrede geworden. Hatte ich so nicht geplant. Passt aber gut in einen Beitrag, deshalb: Schluss an dieser Stelle.

Stablefords Buch bekommt einen eigenen Blog – folgt bald!

Der Schlusssatz gebührt Professor Fremlin: Wir verantworten unsere Zukunft!

We are, collectively, free to choose at what population density we want to call a halt, somewhere between the 0.000 006 per square meter of the present and the 120 per square meter of the heat limit; if we do not choose, eventually we shall reach that limit.

John Heaver Fremlin, New Scientist, No. 415, 285-287

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